Bachelor und wie weiter?

Es ist soweit, das letzte Semester des Bachelors ist vorüber: Alle Prüfungen geschrieben und Seminararbeiten abgegeben. Jetzt heisst es erstmals Abschalten und Abwarten bis die Prüfungsresultate kommen! Seit Jahresbeginn durchlöchern mich Fragen um meine berufliche Zukunft, vor allem die Ungewissheit wie es weitergehen soll nach dem Bachelor in Sozialwissenschaften (Publizstik- und Kommunikationswissenschaft)? Seit einiger Zeit durchforste ich täglich etliche Stellenportale (Jobsource/Medienjobs/Persönlich/Jobs.ch etc). Jeder der auf Stellensuche ist, kennt sicher dieses Dilemma: Man liest ein Inserat durch und wird von unzähligen Anforderungen bombardiert. Wie kann mal als Student oder Absolvent alle Erwartungen erfüllen? Etwas nervt mich besonders: die mehrjährige Berufserfahrung! Es ist ein Teufelskreis, denn man möchte ja Berufserfahrung sammeln und gleichzeitig ist dies eine Anforderung um eine Stelle zu ergattern. Die meistens werden jetzt sicher denken, dass ein Praktikum die Lösung ist.

Während des Bachelorstudiums hatte ich mich dazu bewogen ein Semester zu sistieren, sprich ein Semester auszusetzen, um ein Praktikum bei der Deutschen Zentrale für Tourismus zu machen. Es war eine spannende Erfahrung und ich lernte sehr viel über Medienarbeit und wie man effektiv mit Journalisten umgehen soll. Durch den Kontakt zu Tourismusunternehmen hatte ich mich anfangs auch mit der Idee angefreundet in der Tourismusbranche Fuss zu fassen und musste schnell feststellen, dass der Markt mit Stellensuchenden im Tourismus sehr überschwemmt ist. Ausserdem wurde mir während der Praktikumszeit klar, dass ich selber eher auf dem „Feld“ tätig sein möchte, selber über Themen recherchieren und eigene Texte verfassen. Also habe ich meinen Blog Metropolischt gegründet und einfach mal drauf losgeschrieben.

Aber man muss ja schliesslich auch Rechnungen zahlen!

Die Suche nach einer passenden Stelle geht also weiter. Es kamen einige Interessante Stellen auf, bei welchen ich mehrere Anforderungskriterien erfüllen konnte. Wenn ich mal zum Kennenlerngespräch eingeladen wurde, musste ich leider die Erfahrung machen von einem anderen Mitbewerber ausgestochen zu werden, weil er/sie mehr Arbeitserfahrung vorweisen konnte oder diese/r jemand intern kennt oder einen höheren Hochschulabschluss vorweisen kann etc. Gründe für Absagen gibt es immer, aber was mich am meisten frustet, sind die Ausschlusskriterien, die ich beim Kennenlerntermin nicht beeinflussen kann.

Ich hatte also meine Höhen und Tiefen und viele Momente, in denen ich an meinen Fähigkeiten zweifelte. Denn oft baue ich mir selbst zu viel Druck auf. Dies hält mich schon länger davon ab meine Träume zu verwirklichen und einfach mal loszulegen, Ideen umzusetzen ohne dem ökonomischen Imperativ ausgesetzt zu sein „ich muss jetzt dringend Geld verdienen“. Durch die Enttäuschungen bei der Stellensuche stellte ich schnell fest, wie hart umkämpft der Schweizer Jobmarkt eigentlich ist. Der Druck einen „richtigen“ Job zu finden steigt und spätestens seitdem ich 25 geworden bin, ist das Leben (Versicherungen, SBB, Handyrechnung etc) um einiges teurer geworden. Ihr wisst wovon ich rede!

Ich bin ein Lebenskünstler!

So nannte mich letztens eine gute Freundin von mir. Wie viele Studenten auch, halte ich mich mit dutzenden Brotjobs über Wasser. Nebenher fröne ich meiner Leidenschaft dem Schreiben und Kreieren von Inhalten nach. Das Bloggen/Schreiben ist und bleibt eine Leidenschaft, mein kreatives Outlet oder sogar eine „Beschäftigungstherapie“. Für mich ist klar geworden, dass ich weiterhin Eigenregie führen möchte und selber bestimmen möchte worüber und für wen ich schreibe. Jeder der mich kennt, weiss, dass ich schon immer ein extrovertierter Typ bin und grundsätzlich in kein Schema reinpasse.

Reisen, Kraft schöpfen, Nachdenken

Wie einige von euch fand ich meinen Ausgleich beim Reisen: Neue Orte und Bekanntschaften verstärken den Verwirklichungsdrang in mir und motivieren mich eigene Projekte anzustreben. Man kann seinen Weg schliesslich nicht voraussehen. Es gibt immer wieder Rückschläge in Sachen Lebensplanung. Es gilt flexibel zu bleiben und sich eventuell neu zuorientieren. Das Studium ist nur eine Basis, die sich eignet seine Stärken und Schwächen kennenzulernen und sich vertieft mit Themen auseinanderzusetzen. Diese Möglichkeit wird man im normalen Berufsalltag wahrscheinlich nie mehr haben.

Das Studium ist auch etwas, auf das man immer wieder zurückgreifen kann! Ausserdem war für mich das Praktikum ein guter Ausgleich, aber man darf sich nicht zu viele Hoffnungen machen, wenn es darum geht anschliessend eine Stelle zu finden. Und schliesslich muss man lernen als Student oder Abgänger seinen „Wert“ auf dem Arbeitsmarkt einschätzen zu können. Es bringt nichts ewiger Praktikant zu bleiben, und sich als billige Arbeitskraft abzustempeln.

Lerne dich selbst zu vermarkten!

Aus einem NZZ-Campus-Artikel mit der Überschrift „Fake it ‘til you make it“ oder so ähnlich konnte ich viel Wertvolles mitnehmen. Einerseits sich nicht von niederschmetternden Anforderungskatalogen entmutigen zu lassen. Anstatt aber etwas faken zu müssen, würde ich euch eher empfehlen: Lernt euch zuerst selbst zu überzeugen, dann klappt das auch mit der Selbstvermartung! Ich habe mich schliesslich für einen berufsbegleitenden Master in Business Administration an der ZHAW School of Management und Law beworben und glücklicherweise auch einen Studienplatz ergattert (Es gibt nur 60 Studienplätze pro Jahr in dieser Richtung).

Dies ist ein grosser Schritt für mich und ich möchte meine Management- und Marketingkompetenzen ausbauen um einestages den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Bis dahin werde ich mich mit meinem Blog begnügen, weiter schreiben und nach einer passenden Teilzeitstelle weitersuchen müssen.

Das war jetzt ein etwas anderer, sentimentaler Blogpost, den Frust quasi einfach mal von der Seele zu schreiben. Aber so düster sieht das auch gar nicht aus. Ich geniesse erstmals meine Sommerferien im wunderschönen Süditalien und lüfte meinen Kopf beim süssen Nichtstun durch, „Dolce far niente“ wie man so schön sagt.

Bin auch offen auf eure Erfahrungen zum Thema Studiumabschluss/Jobsuche etc. Nur her damit!

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