Zwei Tage inmitten des #M4Music Festivals

Vom 14. bis 16. April 2016 fand das 19. M4Music-Festival statt, ein Festival mit über 50 Bands (darunter 31 aus der Schweiz) und einem spannenden Rahmenprogramm mit Brancheninsights von Musikschaffenden, Paneltalks und Workshops bis über Kunstperformances und dem Nachwuchswettbewerb, der Demotape-Clinic, an der das „Demo of the Year“ und der „Best Swiss Videoclip“ gekürt werden.

Den Auftakt am Donnerstag in Lausanne habe ich leider verpasst, dafür erlebte ich zwei abwechslungsreiche Tage rund um das Areal beim Zürcher Schiffbau, den Musikclubs Moods und Exil. Für ein wenig Openairstimmung sorgte die „Showcase Stage“, die sich im Freien zwischen dem Exil Club und der Hardbrücke befand. Die vielversprechendsten Indiebands durften sich hier ab Freitagnachmittag dem interessierten Publikum präsentieren und am Samstag gehörte die Showcase Stage ganz in den Händen der Urban Music. Soviel Action inmitten der Stadt erlebt man in Zürich selten. Mit Ausnahme von einigen Quartierfestivals, die meist in Parks stattfinden, hat man am M4Music das einzigartige urbane Setting des Zürcher Kreis5 mit dem Primetower und der Hardbrücke als nahgelegene Grosstadtkulisse.

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Über 6000 Besucher am M4Music Festival in Zürich und Lausanne (Foto: Zenz).

Zwei Tage – sieben besuchte Konzerte

Die Nähe der verschiedenen Konzertbühnen zueinander hat die individuelle Entdeckungstour von einem Gig zum Nächsten sehr einfach gemacht. Es lohnt sich auch bei einem unbekannten Act reinzuschauen und die Vielfalt der Schweizer Musikszene besser kennenzulernen. Am ersten Tag schaute ich mir die Konzerte von  L’aupaire, einer Indieband aus Deutschland, Ingrid Lukas aus der Schweiz/Estland und zum Abschluss das stark besuchte Konzert der lang erwarteten Britrockband The Vaccines. Die Indierocker aus London kamen nach vier Jahren Abstinenz wieder zurück in die Schweiz und exklusiv fürs M4Music! Am zweiten Tag sah ich mir die Gigs von Alpride, Iokoi & Aria und zu guter letzt Kadebostany, auf die ich besonders gespannt war.

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Langersehntes Konzert von The Vaccines (Foto: Zenz).

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Enttäuschten nicht: The Vaccines (Foto: Zenz).

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Kern des M4Music, der Zürcher Schiffbau im Kreis5 (Foto: Zenz).

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Gesangsinzenierung „PopDesign“ von der ZHDK (Foto: Zenz).

Nicht von dieser Welt: Sphärische Klangwelten

Am M4Music wurde auch die Undergroundszene abseits des Mainstreams zelebriert. Visuelle Künste, Tanz und (elektronische) Musik verschmolzen gleich bei mehreren Artists zu einer Symbiose von Kunst und Musik, welche das Publikum, wenn auch nur für begrenzte Zeit, in ausserirdische (Klang-)Welten entführte. Auch die elfenhafte Ingrid Lukas nahm ihr Publikum mit auf eine Traumreise und untermalte ihre „spirituelle“ Musik mit einem mönchhaften Ausdruckstänzer. Die Visuals ihrer Show erinnerten mich generell an Polarlichter.

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Ingrid Lukas (Foto: Zenz).

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Estländischer Gesang trifft auf elektronische Beats (Foto: Zenz).

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Inszenierte Trauwelten bei Ingrid Lukas (Foto: Zenz).

Kaum zu übersehen war der selbstgebaute 400 Watt starke „Soundpanzer“ des Künstlers Nik Nowak. In seiner halbstündigen Performance „Propaganda“ standen zwei verhüllte Wesen hinter einem Kraftwagen und vermittelten ihre audiovisuelle Botschaft den Besuchern des Schiffsbau, die sich wegen der Lautstärke und der flackernden „Mappingvisuals“ (Moritz Stumm) der Aufmerksamkeit nicht entziehen konnten. Ein musikalisches Experiment, das bei zu langem Hinhören definitiv Hörschäden verursachen könnte.

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Fest im Bann der Propaganda (Foto: Zenz).

Treffpunkt von über 850 internationalen Musik-Professionals

Der zweite Festivaltag begann für mich schon früh beim Swiss Music Export Brunch im Moods. Beim „Buurezmorge“ mit Zopf, Konfi und Weichkäse hatte ich die Möglichkeit mich mit unterschiedlichsten Musikprofessionals, darunter Labelinhaber, Musikern, Booker, Veranstalter, Radiomänner und auch anderen Medienvertretern auszutauschen. Es war sehr lehrreich verschiedene Meinungen aus der Sicht der Professionals zu hören und News gleich aus erster Hand zu erfahren. Unter anderem durfte ich auch die sympathische junge Band JPTR kennenlernen, die nach eigenen Aussagen „Futurepop“ macht. Das besondere an ihrem Bandprojekt: Jeden Monat bringen Sie bei Vollmond ein neues Musikvideo heraus. Hier geht’s zu ihren Videos.

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SME Mixer: Drei der fünf Mitglieder von JPTR (Foto: Zenz).

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SME Mixer: Fullhouse beim Branchen Brunch (Foto: Zenz).

Panel über Streamingdienste

Gleich im Anschluss besuchten wir die Podiumsdiskussion über das Thema „Streaming – Money & Transparence“. Die Kritik am neuen Bezahlmodell „Musikflatrate“ wie Beispielsweise bei Spotify ist das Künstler im Vergleich zu den CD-Verkäufen oder den Downloads verhältnismässig viel zu wenig daran erwirtschaften. Dabei wurde auch das Thema der Transparenz und Messbarkeit der Streams angesprochen. Schliesslich ist dies sehr relevant für die gerechte Ausschüttung zwischen Labels, Publisher, Autoren und Künstlern. Festzuhalten bleibt, dass die Künstlerverträge mit den Publishern ausschlaggebend für die Verteilung der Einnahmen sind und dass diese bei Geschäftsmodellen wie Spotify und Deezer vor allem in den Longtail fliessen.

Ein weiterer Kritikpunkt war die schwierige Aufnahme in die Spotify-Empfehlungs-Playlisten, welche die Anzahl Abrufe eines Songs massiv in die Höhe treiben lassen. Bei der Diskussion wurden insbesondere auch die Schwierigkeiten bei der Vermarktung von Schweizer Acts hervorgehoben und der noch fehlenden Akzeptanz und Weitsicht der Künstler gegenüber den neuen Chancen dank Spotify im globalen Markt Fuss zufassen.

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Paneltalk: Oliver Schiller-Sittl (mit Mikro) spricht über Transparenz bei den Streamingdiensten (Foto: Zenz).

Aus reiner Neugierde besuchte ich ebenfalls die Veranstaltung „Hug Cares about Music“ und siehe da es waren auch einige bekannte Gesichter aus der Schweizer Musikbranche anzutreffen. Bei dieser Talkshow zeigten Watson-Kolumnistin Kafi Freitag, Rapper Dodo und Sänger Seven abwechselnd ihre Lieblingsplatten und schwebten in nostalgischen Erinnerungen an den Musikstil ihrer Jugend. Es wurde nicht nur in die Vynilplatten hineingehört sondern, auch Plattencovers mit viel Witz und Humor analysiert und kommentiert. Die gelassene Runde stellte einen passenden Gegenpol zu der eher ernsten Podiumsdiskussion dar.

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Rapper Dodo zeigt seine Wyclef Jean Platte (Foto: Zenz)

Preview: M4Music 2017

Und nächstes Jahr wird es bestimmt noch mehr Überraschungen und ein vielversprechendes Line-Up und Rahmenprogramm geben! Denn das M4Music-Festival wird vom 30. März bis 20. April sein 20. Bestehen feiern.

Weitere Infos: www.m4music.ch

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