Die Berliner Mischung: Mit dem Bike durch Berlin #Bloggerchallenge Teil 2

In der Kulturbrauerei, einem denkmalgeschützten Backstein-Komplex (Gastrobetrieben, Läden, Kulturlokalen, Büros, etc.) war ich mit Sasha von Berlin on Bike verabredet, der mir während einer gemeinsamen Velotour mit Witz und Herzblut einige facettenreiche Orte Berlins zeigte. Ich kann mich äusserst glücklich schätzen, den mir war die Ehre einer für mich zugeschnittenen „alternativen Berlin“ Privatführung zuteil. Somit konnte ich unterwegs auf zwei Rädern meinen Wissensdurst über Berlin stillen. Es war bereits mein dritter Besuch, aber von Berlin kriegt man schliesslich nie genug!

Die Tour startete am Prenzlauer Berg und führte weiter nach Friedrichshain, Kreuzberg und wieder zurück. Ca. 3,5 Stunden waren wir unterwegs: Persönliche Anekdoten, Kaffeepause und Fotostopps inklusive. Wunderschöne Alleen und Parks rundeten mein Gesamterlebnis ab. Eine Biketour eignet sich bestens, um während eines halben Tages die verschiedenen Seiten Berlins zu sehen. Momentan werden 7 abwechslungsreiche öffentliche Führungen angeboten: Von einer Berliner Mauer Tour, den grünen Oasen Berlins, einer Tour auf den Spuren der Berliner Streetart sowie eine Berlin by Night Tour.

Hier gehts zum Video von Berlin on Bike mit tollen Hyperlapse-Aufnahmen:

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Die 25’000m2 grosse denkmalgeschützte Anlage Kulturbrauerei (Foto: Zenz)

Streetart in Berlin

Am Prenzlauer Berg legen wir einen ersten Zwischenstopp ein, um eine faszinierende Hausfassade mit diversen Werken bekannter Streetartkünstler näher zu analysieren. Sofort stechen mir die tanzenden Personen mit Konfetti ins Auge, welche als Serie unter dem Namen It’s Time to Dance in der ganzen Stadt angebracht wurden. Viele Werke sind Pastings aus vorfabrizierten Tapeten. Einerseits sind diese leichter und schneller anzubringen, andererseits wird hier das Thema Vandalismus mehrheitlich umgangen, da sich diese Pastings durch warmes Wasser wieder problemlos entfernen lassen. Berlin zieht Streetart-Künstler aus aller Welt an! Oftmals reflektieren die Werke mit einem vergänglichen Kommentar an öffentlichen Orten das politische Weltgeschehen bis sie mit der Zeit von einem anderen Künstler übermalt werden oder durch die Spuren der Zeit abblättern.

Streetart ist meiner Meinung nach ein fixer Bestandteil von Berlin. Auch empfehlenswert ist der Besuch der Neuen Heimat in Berlin, wo grossflächige Graffiti das ganze ehemalige Industrieareal zieren, wo sich heute Bars, Freilichtkinos, Galerien, Flohmärkten und sogar eine Badeanstalt befinden (hier mein älterer Blogbeitrag dazu).

An der Oranienburgerstrasse bin ich per Zufall auf die kleine aber feine Galerie Klassenfeind gestossen, die sich komplett der Strassenkunst und Collage widmet. Hier gibt es erschwingliche Kunst zum mitnehmen. Vorbeischauen lohnt sich!

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Aus der Serie „It’s Time to Dance“ des Strassenkünstlers SOBR (Foto: Zenz).

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Streetart-Fassade am Prenzlauer Berg (Foto: Zenz)

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Noch ungewisse Zukunft – Neue Heimat Berlin (Foto: Zenz)

Von konservativen Reihenhäuschen hin zu alternativen Fairtrade-Shops

Im Viertel Prenzlauer Berg fahren wir durch eine belegte Strasse mit vielen Kneipen und Bars bevor wir an einer Seitenstrasse mit dem ironischen Namen Am Schweizer Garten ankommen. Unerwartet taucht eine weisse, vielleicht etwas biedere, Reihenhaussiedlung auf mit plätschernden Brunnen und Vorgärten. Im ehemaligen Arbeiterviertel Prenzlauer Gärten startete der erste Versuch Berlins einer Gated Community, einer abgesicherten Wohngegend für Wohlhabende und Besserverdiener. Hier besteht die Sorge, dass durch die zu starke Abschottung und die Aufwertung von einzelnen Stadtteilen Berlin unattraktiv werden würde. Die geschlossene Siedlung stiess in der Nachbarschaft auf viele Proteste, deshalb hat man im Nachgang die Tore offengelassen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Mix an unterschiedlichen Gesellschaftsschichten war schon immer historisch gewollt versichert mir Sascha und so entstanden Potpourries aus Arbeiterhäsuchen und Komplexen für Unterhaltung und Wohnen. „Berlin ist arm aber sexy.“ – Besser hätte es der ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit nicht ausdrücken können.

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Die Prenzlauer Gärten (Foto: Zenz)

An der Wienerstrasse in Kreuzberg findet man etliche Boutiquen. Hier machen wir Halt, um zwei einzigartige Shopkonzepte von innen anzuschauen. Der Supermarkt Original unverpackt kommt ganz ohne Plastikverpackung aus. Hier gibt es Teigwaren in allen Farben und Formen im Sortiment, aber auch Haushaltsreiniger zum Nachfüllen. Ein innovatives Shopkonzept, das hier auf grossen Anklang findet und dennoch viel zum Umdenken anregt. Lediglich bei der Vorbereitung eines Wocheneinkaufs wird viel Zeit benötigt, schliesslich hat nicht jeder seine Jutesäcke und Tupperwares stets mitdabei.

Nebenan befindet sich gleich unsere zweite Station, das Upcyclinggeschäft Supermarché. Hier werden aus alten Kleidungsstücken und Stoffresten hergestellte „neue“ Kleidungsstücke und Wohnaccessoires angeboten. Die Kleidung mag zwar nicht jeden Geschmack treffen, aber der Laden regt sicherlich zum Nachdenken an und fasziniert durch die Geschichte, die jedes Kleidungsstück erzählt. Hier findet man zum Beispiel Winterjacken, die aus mehreren geschreddeten  Jeans verwoben wurden.

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Ladenkonzept ohne Verpackung (Foto: Website Original Unverpackt)

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Nur mit Jutesack oder eigenem Behälter machbar (Foto: Zenz)

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Upcycling – fairtrade Mode aus wiederverwerteten Textilien (Foto: Zenz)

Auf den Spuren der Gentrifizierung

Im Görlitzer Park fahren wir an verschiedenen illegal besetzten Einrichtungen vorbei. Das Georg-Rauch-Haus ist als Hochburg in der linksautonomen Szene bekannt. Hier hängt demonstrativ ein Aushang gegen die Verteuerung der Stadt, auch unter dem Begriff der Gentrifizierung bekannt. Die Gentrifizierung steht für die Aufwertung eines Stadtviertels und die damit einhergehenden höheren Wohnkosten. Nach Eigenaussage des Guides, der Berlin quasi in- und auswendig kennt, sind die Mieten in den letzten 5 Jahren  rund 20 Prozent gestiegen. Eine rasante Entwicklung für eine Grossstadt, die bis anhin als eine der günstigsten Metropolen der Welt bekannt ist.

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Georg-Rauch-Haus (Foto: Zenz)

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Früher Bierbrauerei, jetzt Tonstudio (Foto: Zenz)

Berlins grösstes Urban Gardening Projekt

Ein weiteres Phänomen ist das Urban Gardening, wo freistehende urbane Flächen zum lokalen Gemüseanbau umfunktioniert werden. Diese Projekte haben meist auch einen breiteren Umweltgedanken, dass man wieder vermehrt zu lokalen Zutaten und auch im Sinne des Slowfoods weniger zu verarbeiteten Lebensmitteln zugreifen soll. Beim Prinzessinengarten am Moritzplatz in Berlin Kreuzberg fällt als erstes schon mal die beachtliche Grösse auf. Überall wuchern Gemüse und Saladsorten in Kisten und alten Tetrapacks, die aber nicht wild, sondern sehr strukturiertnach System angeordnet wurden.

Hier kann man nicht nur selbst Gemüsesorten und Samen für den Eigenanbau einkaufen, sondern auch an Workshops teilnehmen und mehr über dieses spannende Projekt erfahren. Sogar von Schulklassen wird dieses Areal für Bildungszwecke besucht!

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Kleine Bibliothek und Treff im Prinzessinen Garten (Foto: Zenz)

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Der Prinzessinen Garten – Berlins grösstes Urban Gardening Projekt (Foto: Zenz)

Hier findet ihr ein Vorstellungsvideo über dieses äusserst spannende Projekt, das im 2009 initiiert wurde:

Streetfood in Berlin

Berlin war bis vor einigen Jahren nicht für Streetfood bekannt, dies hat sich in den letzten Jahren gewaltig geändert! An verschiedenen Adressen  nun In der Kulturbrauerei gibts auch verschiedene Kulturveranstaltungen sowie jeden Sonntag von 10-18 Uhr einen Steetfoodmarket im Hof der Streetfood auf Achse. Die bunten Foodtrucks sind eine gelungene Abwechslung  zu den regulären Imbissbuden in der Innenstadt ist.

Eine weitere beliebte Streetfood-Adresse ist die Markthalle Neun in Friedrichshain. Hier gibt es täglich einen Foodmarket mit kleinen Häppchen aus aller Welt. Am meisten lohnt sich der Besuch Donnerstags, dem Streetfood-Thurday.

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Foodtrucks und mehr jeden Sonntag in der Kulturbrauerei (Foto: Zenz)

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Zwischenverpflegung in der Markthalle Neun (Foto: Zenz)

Besuchte Adressen im Überblick:

  • KulturBrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin – Prenzlauer Berg (Streetfood, BerlinOnBike und vieles mehr)
  • Berlin Affordable Art – Klassenfeind Gallery, Oranienburger Str. 22, 10178 Berlin (Streetfoodgalerie fürs kleinere Budget)
  • Neue Heimat, 12305 Berlin (Foodmarket, Flohmärkte, Galerien, Streetart uvm.)
  • Supermarché, Wiener Str. 16, 10999 Berlin (Fairtrade Kleiderladen)
  • Original unverpackt, Wiener Strasse 16, 10999 Berlin (Unverpacktes Lebensmittelsmittelgeschäft)
  • Markthalle Neun, Eisenbahnstrasse 42/43, 10997 Berlin-Kreuzberg (Streetfoodmarkt, jeden Donnerstag)
  • Prinzessinengarten, Prinzenstrasse 35 – 38 / Prinzesinnenstrasse 15 (Urbangardening und urbaner Rückzugsort)
  • Motel One Berlin Mitte, Prinzenstrasse 40-42, 10969 Berlin (sehr gutgelegenes modernes Hotel mit schnellem Check-In, perfekt für kürzeren Städtetrip)
  • Generator Hostel, Oranienburger Straße 65, 10117 Berlin (sehr hippes Hostel an guter Lage mit tollem Freizeitangebot und toller  Cocktailbar)

 

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