Auf Zeitreise in Ulm #Bloggerchallenge Teil 3

Die zweite Station meiner Deutschland-Bloggerreise widmete sich ganz dem Thema „Fluss“, genauer gesagt der Donau an der Zwilingsstadt Ulm / Neu-Ulm. Hier kann man mit einer Brückenüberquerung gleich zwei Bundesländer besuchen, denn Ulm gehört dem Bundesland Baden-Württemberg an, Neu-Ulm auf dem gegenüberliegendem Ufer der Donau hingegen zu Bayern. Von diesem Gebiet Deutschlands kannte ich, mit Ausnahme vom Ulmer Münster, bisher nur wenig, darum war ich gespannt was mich hier erwarten wird!

Meine Deutschlandtour startete in Berlin (wie ihr vielleicht bereits bei Teil 1 und Teil 2 mitbekommen habt) nach 4 Tagen gings schlussendlich mit dem ICE der Deutschen Bahn weiter nach Ulm Hauptbahnhof (eine 6-stündige Fahrt). Während der Zugfahrt schweifte mein Blick immer wieder nach draussen: Satte grüne Wiesen, ja sogar grosse Windräder waren von der Fahrt aus zusehen und mit der richtigen Lektüre und dem Onboard-Bistro verging die Zeit im Nu!

Das Ulmer Fischerviertel – Schlafen am Fluss

Meine Unterkunft für die zwei Tage war das Hotel „Schmales Haus“ im süssen Fischerviertel, dem ältesten Stadtteil Ulms. Auffällig sind die baulichen Kontraste der Stadt. Und dies überrascht wenig, wenn man bedenkt, dass knapp 80% der Stadt während des zweiten Weltkrieges zerbombt und wieder neu aufgebaut werden musste. Das Fischerviertel verkörpert noch das ursprüngliche Ulm: Pflastersteinwege und traditionelle Fachwerkhäuser zieren sich durch die vielen verwinkelten Gassen durch. Wer nah am Wasser schlafen möchte ist hier sicher an der richtigen Adresse. Denn in diesem friedlichen Quartier ist man überall von Wasser umgeben. Mein Hotel „Schmales Haus“ beispielsweise befand sich zwischen zwei Nebenflüssen, auch „Kleine und Grosse Blau“ genannt. Überall hört man es plätschern und mein Hotelzimmer im Parterre war sogar auf Augenhöhe mit dem Fluss – Noch näher am Wasser geht nicht!

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Fachwerkhäuser weit und breit (Foto: Zenz)

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Zimmerausblick vom Hotel „Schmales Haus“ (Foto: Zenz)

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Die Nebenflüsse der Donau, hier die kleine Blau (Foto: Zenz)

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Eine Abbildung des Ulmer Spatz‘ (Foto: Zenz)

Tag 1: Historische Stadtführung mit Besuch des Ulmer Münsters

Am ersten Tag wollte ich mehr über die Geschichte Ulms lernen, also nahm ich an einer Stadtführung teil und erfuhr beispielsweise vom florierenden Textilhandel auf Flössen während, der während des Mittelalters Ulm zu einem wichtigen Knotenpunkt zwischen Afrika, Indien und Wien machte. Hier wurde der Leinenstoff mit 20% Baumwollanteil geboren, dies diente dazu die Stoffe weniger kratzig zu machen und auch die ersten Jeans (früher Olmes genannt) des deutsch-amerikanischen Erfinders Levi Strauss seien hier entstanden.

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Fassadenmalerei des mittelalterlichen Handels auf Flössen (Foto: Zenz).

Ulm war auch die Stadt der Blaufärberei und das deutsche Sprichtwort „Blau machen“ hat auch hier seine Ursprünge: Durch die Zufuhr von Waid und Harnstoff konnte man die gewünschte blaue Farbe herstellen. Es war Brauch, dass man Sonntags die Tücher nach dem „fleissigen Bechern“ vollnässt und an der Sonne trocknet. Im Halbrausch seien dann die Tücher von fleissigen jungen Männern immer wieder gewendet worden. Nebst dem Textilhandel war Ulm auch als grosser Handelsplatz für Wein und Schnecken bekannt, welche auf grossen Flössen weiter nach Wien transportiert wurden. Auch die Ulmer Schmiedekunst und das „Ulmer Bargeld“ zählten zu den wichtigsten Exporgütern.

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Häuserfassade „Schönes Haus“ im Fischerviertel (Foto: Zenz)

Die Führung startete am Münsterplatz beim Stadthaus „Ulmer City Marketing“ und ist kostenlos mit der Ulm Card. Der Rundgang dauert knapp 90 Minuten und ist für Neulinge in der Stadt sehr empfehlenswert, da Ulm noch wirklich sehr an seine mittelalterliche Geschichte verwurzelt ist. Zu Fuss erkundet man in einer kleinen Gruppe das Fischerviertel, erfährt die Hintergrundgeschichten zur ersten deutschen Kaiserpfalz bis zur Gründung des heiligen römischen Reiches und besucht zudem noch den grössten Kirchenbau der Welt, das Ulmer Münster (162m). Der Bau des Ulmer Münsters dauerte über 300 Jahre und begann 1377 als prunkvoller gotischer Kirchenbau während der Handel noch florierte. Nach 150 Jahren war erst die Halle fertig und die Türme fehlten noch ganz. Als der Handel ins Stocken geriet und die Gotik nicht mehr in Mode war, wurde der Bau eingestellt. Als folglich Neugotik im 19. Jahrhundert Mode war und zugleich auch der Kölner Dom fertiggestellt wurde, nahm man dies zum Anlass um einen 5,5 Meter höheren Turm zu bauen. Somit gilt das Ulmer Münster als höchster evangelischer Kirchenbau der Welt. Innendrin wird man von der Höhe der Decken und der Dimensionen der Kirchenfenstern richtig eingenommen. Zum Teil sind auch moderne Elemente erkennbar, wie die Fenstermotive, die das Elend der Welt symbolisieren.

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Das Ulmer Münster in seiner vollen Pracht (Foto: Zenz)

Während der Führung fällt etwas besonders auf: Ulm brüstet sich gerne mit Weltrekorden: Der höchste Kirchturm der Welt (knapp 5m höher als der Kölner Dom), die mit 40’000 Jahren älteste von menschengeschaffene Kunstskulptur (ein Menschenkörper mit Löwenkopf aus Mammutknochen) , sowie das schiefste Hotel der Welt, das mit 2,5m Unterschied vom Giebeldach bis zum Grundstein sogar einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde eingeholt hat. Das schiefe Haus ist bestimmt eines der meistfotografierten Motive neben dem Ulmer Münster. Jedes Zimmer hat einen individuellen Schnitt und ist mit einem Bett mit Wasserwaage ausgestattet! Selbst das Parkhaus „Tiefgarage Rathaus“ wird während der Führung als „schönstes Parkhaus Deutschlands“ wegen seines musealen Charakters (durch die Schaustellung der Grabungen) angepriesen. Man merkt die Ulmer sind stolz auf ihre Errungenschaften. 😉

  • Öffentliche Stadtführungen: Mo-Sa 10 und 14.30 Uhr / So und Feiertag 11.30 und 14.30 Uhr
  • Treffpunkt am Münsterplatz 50 vor dem Stadthaus „Tourist-Info Ulm/Neu-Ulm“
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Das schiefste Hotel der Welt, das Hotel „schiefes Haus“ (Foto: Zenz)

Tag 2: Stand-Up-Paddlen auf der Donau und Radtour zum Kloster Wiblingen

Der zweite Tag in Ulm stand ganz im Zeichen der Donau! Um 9 Uhr in der Früh war ich mit meinem SUP-Instructor Robin am Jahnufer (Seite Neu-Ulm) verabredet. Die Donau war an diesem leicht bewölktem Septembertag gefühlte 12 Grad kalt…brrr. Dank Neoprenanzug war der Einstieg ins Wasser überhaupt kein Problem (ausserdem wird einem von der sportlichen Betätigung warm). Das Stand-Up-Paddle-Angebot gibt es erst seit knapp einem Jahr in Ulm. Durch Mundzumund-Propaganda hat der Trend nun auch in Ulm richtig an Beliebtheit zugelegt. Ich war schon einige Male auf dem Brett, aber SUP auf einem Fluss war neu für mich. Die Strömung der Donau ist nicht allzu stark, daher ist es auch ohne grosse Mühe möglich auf dem Rückweg gegen die Strömung anzupaddeln. Die etwas andere Perspektive der Stadt zu Wasser, besonders die begrünten Ufer und die Brücken, haben mir besonders gut gefallen. Hier treten die Kontraste von Neu- und Altstadt besonders gut hervor. Ausserdem bietet sich die Donau als idealen urbanen Naherholungort an. Das Donaubecken hat auch besonders schön präparierte Radwege und Wiesen, die zum Picknicken und Verweilen einladen.

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Richtig eingepackt für das erfrischende Wasser der Donau (Foto: Zenz)

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Freie Sicht auf die Altstadt Ulms (Foto: Zenz)

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In der Gruppe machts gleich mehr Spass (Foto: Zenz)

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Ulms moderne Architektur am begrünten Donauufer (Foto: Zenz)

Nach einer kurzen Stärkung machte ich mich mit dem gemieteten Rad auf dem Weg zum Kloster Wiblingen. Eine gute halbe Stunde dauerte die Radtour. Auch hier war ich von der guten Beschilderung der Radwege begeistert. Das Kloster Wiblingen hat eine spannende interaktive Ausstellung zur Geschichte des Benediktinerklosters mit der prunkvollen Rokoko-Bibliothek als krönenden Abschluss des Rundgangs.

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Frontansicht des Klosters Wiblingen (Foto: Zenz)

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Rokoko Bibliothek im Kloster Wiblingen (Foto: Zenz)

Besuchte Adressen im Überblick:

 

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