Into the Wild – 3 Tage in der Alpenwelt Karwendel

Letzten Herbst war ich auf Deutschland-Entdeckungstour und durfte mich bei meiner letzten Station mit traditionellen Bräuchen, jahrhunderte altem Handwerk und atemberaubender Natur auseinandersetzen.

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Heustadl, dahinter das Karwendelgebirge (Foto: Zenz)

Die Reise ins „Unbekannte“ führte mich in die Alpenwelt Karwendel, zu einer Ortschaft namens Mittenwald (Landkreis Garmisch-Partenkirchen), das für den traditionellen Instrumentenbau bekannt ist, aber auch ein Ort für aktive Naturliebhaber ist. Mittenwald ist die deutsche Ableitung aus dem Lateinischen „Media Silva“! Und tatsächlich ist der Name Programm, umgeben von 133 km2 Fläche Wälder liegt die überschaubare Gemeinde Mittenwald.

Hier hängt der Himmer voller Geigen

Das bekannte Sprichwort stammt vom früheren Brauch ab, dass die (noch unfertigen) Geigen an den Balkonen der zahlreichen Werkstätten zum Trocknen des Leims draussen aufgehängt wurden. Denn tatsächlich ist die Geschichte des Instrumentenbaus kaum zu übersehen; hier sind die Urväter des Geibenbaus and anderen Saiteninstrumenten  nicht nur in Form von Bronzeplastiken verewigt, sondern man liest auch ihre Namen in den zahlreichen Werkstätten, die seit Generationen fortgeführt werden. Seit über 300 Jahren gibt es hier Geigenbauer, die mit feinster Handarbeit die unterschiedlichen Saiteninstrumente nach Wunsch bauen. Man sagt sogar, dass das Know-How von hier aus in die weite Welt hinaus kam. Derweil gibt es noch ca. 12 Geigenbauer, die das Handwerk weiterführen.

Matthias Klotz (1653-1743) gilt als Begründer des Geigenbaus, sein Denkmal wurde unmittelbar vor dem auffallenden Kirchturm der Sankt Peter und Paul Pfarrkirche errichtet. Ihm wurde auch das Geigenbauermuseum an der Ballenhausgasse gewidmet, wo auch alle Motive der Lüftlmalerei zu sehen sind. Das Museum ist sicher einen Besuch wert, ich würde ca. 1h einberechnen.

Besonders empfehlenswert ist eine kulturelle Führung zur Geschichte und der Bedeutung der Lüftlmalerei. Die bürgerlich-bäuerliche Fassadenmalerei wird mit der Freskotechnik auf die Hausfassaden angebracht und mit dem Verputz vermischt, so kann sie selbst über Jahrhunderte überdauern. Zu den Motiven findet man viele Geschichten aus der christlichen Ikonografie, sowohl als auch Szenen aus dem bäuerlichen Leben. Oftmals sind auch viele Täuschbilder (Trompe l’oeil) integriert, die damals ein Haus sehr wertvoll erschienen liessen. Besonders markant sind die aufgemalten römischen Säulen am Kirchturm der Sankt Peter und Paul Pfarrkirche.

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Mittenwalds Fussgängerpromenade  (Foto: Zenz).

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Matthias Klotz Denkmal (Foto: Zenz)

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Häufigstes Motiv der Lüftlmalerei: Christliche Ikonografie …  (Foto: Zenz)

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… und ländliche Idylle (Foto: Zenz)

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Das Geigenbaumuseum an der Ballenhausgasse (Foto: Zenz)

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Einblicke in die Utensilien eines Geigenbauers (Foto: Zenz)

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Nebst Instrumenten werden hier auch Fasnachtslarven hergestellt (Foto: Zenz)

Der Postkeller ist Deutschlands höchstgelegene Privatbrauerei und auch ein Restaurant mit richtig defitger Hausmannkost. Die deftige Kost konnte mich richtig überzeugen und auch die Portionen sind sehr grosszügig. Bei grösseren Gruppen kann auch eine Besichtigung der Brauerei organsiert werden. Unbedingt das Naturtrüb probieren!

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Mittenwalds Postkeller: die höchstgelgene Privatbrauerei Deutschlands (Foto: Zenz)

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Deftig, aber lecker: Spätzle im Pfännle (Foto: Zenz)

Zwei Nächte in der Gröbl-Alm

Am Hang des Kranzbergs befindet sich die Gröbl-Alm. Im Drei-Sterne-Alpengasthof durfte ich zwei Nächte verbringen und genoss von meinem Zimmer mit Balkon aus eine weitreichende Sicht auf Wiesen und Heustadl. Das Landhotel verfügt über eine eigene Schnapsbrennerei und viele hausgemachte Spezialitäten. Wer in die Almstube vorbei kommt, sollte unbedingt Platz für Dessert freihalten, denn die hausgemachten Windbeutel aus Brandteig mit Crèmefüllung sind der absolute Genuss!

Mein Lieblingsplatz war die Sonnenterrasse  des Restaurants; ein Panoramablick auf das Karwendelgebirge mit den hellgrauen Kreidefelsen und der Ortskern von Mittenwald. Äusserst empfehlenswert ist die typisch bayrische Hausmannskost und auch der Hauswein passte ideal zu einem lauen Sommerabend. Hier kann man ausgelassen den Blick über die raue Natur schweifen lassen und absolute Ruhe vorfinden.

Hier gibt es eine virtuelle 360-Gradansicht des Wahnsinnspanoramas.

Wer zur Gröbl-Alm hinauf kommt, sei es als Übernachtungsgast oder schlicht zur Einkehr, erlebt ein äusserst gastfreundliches und aufgewecktes Personal mit bayrischem Charme in traditionellen Trachten und findet garantiert Ruhe und Entspannung nach einem aktiven Tagesausflug auf den zahlreichen Wanderrouten!

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Idylle pur – die Gröbl-Alm (Foto: Zenz)

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Einladender Alpengasthof: Gröbl-Alm  (Foto: Zenz)

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Hausspezialität: die Windbeutel aus Brandteig (Foto: Zenz)

Alle Jahre ein Spektakel: Der Ziegen-, Kuh- und Schafsabtrieb

Immer im Spätsommer, wenn die Schafe gemeinsam mit den Hirten ihre Sommerweide verlassen und in ihre Ställe zurückkehren, dann verwandelt sich ganz Mittenwald in einen tierischen Umzug. Am Folgetag, dem sogenannten «Schafscheid», werden die Schafe wieder ihren Besitzern zugeordnet und es wird sogar nach den schönsten Schafen gesucht!

Besonders hängen geblieben sind mir die vielen Kinder, die mit ihren Lederhosen und den kleinen Hirtenstöcken im Gleichschritt mit den Schafen marschierten und mit den Schafen herumalberten.

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Zeit die Sommerweide zu verlassen (Foto: Zenz)

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Diese „Buabn“ haben sich für die bequeme Art des Almabtriebs entschieden. (Foto: Zenz)

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Manche Schäfchen brauchen wohl etwas Unterstützung auf dem Weg (Foto: Zenz)

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Am Schluss gehts noch den Wald hinauf bis zur Einkehr (Foto: Zenz)

Drei-Seen-Wanderung rund um den Kranzberg

Die Alpenwelt Karwendel mit seinen drei Gemeinden Wallgau, Krün und Mittenwald sei die schönste Landschaft Bayerns. Und man kann sehr gut nachvollziehen woher diese Bewunderung herkommt: Malerische Bergseen, schroffe Felswände und idyllische Waldwege durchziehen die Landschaft. Da es während meines Besuches noch relativ warm war, entschied ich mich für eine 3-stündige Wanderung vom Schmalensee, Lautersee bis zum Ferchensee. Ganz in der Nähe des Lautersees gibt es zudem einen Walderlebnispfad mit 12 Stationen, wo man die Natur spielerisch entdecken kann.

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Lautersee in Mittenwald (Foto: Zenz)

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Entlang des Walderlebnispfades (Foto: Zenz)

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Ein Selfie zwischendurch erfreut das Gemüt, besonders wenn die erste Etappe geschafft ist (Foto: Zenz)

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Fast immer zu sehen, die schroffen Felswände des Karwendelgebirges (Foto: Zenz)

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Ein mystischer Ort? Die Findlinge am Steingarten (Foto: Zenz)

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Seerosen im Ferchensee, leider nicht in der Blütezeit (Foto: Zenz)

Für wen eignet sich ein Urlaub in der Alpenwelt Karwendel?

Wer raue Natur sucht und gern aktiv ist, der wird hier auf alle Fälle fündig. Besonders für Mountainbiker, Wanderer und Bergsteiger ist Mittenwald ein Paradies schlechthin.

Für mich war der 3 Tagesbesuch zu Beginn ein kleiner Kulturschock. Bisher kannte ich vom Bundesland Bayern nur die Grosstadt München und Münchner sind ja bekanntlich keine Bayer sondern Münchner. Aber ich durfte feststellen, dass auch die ländliche Region Bayerns seine Vorzüge hat und sich bestens für einen Mountainretreat eignet! Der bayrische Charme ist nach drei Tagen garantiert bei mir angekommen und die faszinierende Verankerung der Ortgeschichte samt der Entstehung des Geigenbaus macht ein Besuch in Mittenwald umso sehenswerter!

Der einzige Nachteil ist die längere Anreise mit dem Zug oder die weite Entfernung zu den nächstgelegenen Flughäfen München (142km) und Innsbruck , Österreich (42km). Von Zürich HB aus muss man mit der besten Zugverbindung via Innsbruck schon mit mindestens 5 Stunden rechnen. Ein kleiner Trost: während der längeren Zugfahr ist wenigstens das WLAN auf dem Streckennetz der ÖBB kostenlos.

Besondere Anlässe:

  • Bozner Markt –  der historische Handels- und Handwerkermarkt findet vom 5. bis 13. August 2017 statt.
  • Der spätsommerliche Almabtrieb findet demnächst wieder am 9. September 2017 statt.
  • Fasnacht heisst in Oberbayern Fasching, wo man unzählige Maschkera sieht. Das Highlight ist der Unsinnige Donnerstag am 23. Februar 2017, welcher gleichzeitig in allen drei Gemeinden Wallgau-Krün-Mittenwald zelebriert wird.

Besuchte Adressen im Überblick:

  • Tourist-Information Mittenwald, Dammkarstr. 3, 82481 Mittenwald- Gute Beratung vor Ort mit vielen hilfreichen Wanderkarten und diversen buchbaren Führungen zur Kultur und Geschichte Mittenwalds
  • Gröbl-Alm, Gröblalm 2, 82481 Mittenwald / Oberbayern – Gemütlicher Landgasthof für Ruhesuchende, auch ideal für Tagesgäste mit toller Aussicht
  • Geigenbauermuseum, Ballenhausgasse 3, 82481 Mittenwald, Öffnungszeiten 10-20 Uhr. – Zweistöckiges Museum, teilweise sehr stark frequentiert.
  • Postkeller, Innsbrucker Str. 13, 82481 Mittenwald – Privatbrauerei mit Restaurantbetrieb, grosse Auswahl an hausgebrauten Bieren (mit Reinheitsgebot), für jeden hats garantiert ein „Platzerl“.

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