Lugano: Kleines Rio der Schweiz

Anlässlich der Lugano Pride, des ersten Pride-Demonstrationsumzugs der italienischen Schweiz machten wir uns auf den Weg nach Lugano um uns für mehr LGBT-Rechte in der Schweiz einzusetzen. Dass ein Tessinbesuch auch Ferienstimmung mitsichbringt, sollte ja allseits bekannt sein. Im folgenden Blogpost erzählen wir euch mehr von unserem Wochenendtrip ins „kleine Rio“ der Schweiz.

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Willkommen im Süden der Schweiz (Foto: Zenz)

Lugano Pride

Insgesamt 7’000 Teilnehmende, vermehrt aus der Westschweiz, Tessin und Italien nahmen an der ersten Lugano Pride teil. Im Vorfeld der Parade gab es mehrere politische Ansprachen, darunter auch vom tessiner Bundesrat Ignazio Cassis, der sich unter anderem für die Entstigmatisierung von HIV einsetzt. Das Haupthema der öffentlichen Diskussion bleibt aber die „Ehe für alle“, welche die Eheschliessung auch unter gleichgeschlechtlichen Paaren gesetzlich in der Schweiz ermöglichen soll.

Der Demonstrationsumzug füllte die gesamte Seeufer-Promenade und den Platz vor dem Kulturzentrum LAC. Unterschiedlichste Menschen von jung bis alt, Familien und politische Aktivisten aus der ganzen Schweiz (!) sind extra nach Lugano angereist um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen und Teil dieses historischen Moments zu sein. Im Unterschied zur Pride in Zürich gab es am Demonstrationsumzug in Lugano keine Musiktrucks. Stattdessen standen Banner mit Kundgebungenen und symbolisierte Vielfalt und gegenseitige Akzeptanz im Mittelpunkt des Geschehens.

Wer sich nicht genauer mit der Thematik LGBT-Rechte befasst, wird glauben, dass Homosexuelle in der Schweiz bereits gleiche Rechte haben, aber dem ist leider nicht so: Bei zwei essentiellen Punkten werden LGBT-Menschen noch wie Menschen zweiter Klasse behandelt! Es ist heutzutage zwar gleichgeschlechtlichen Paaren möglich ihre Partnerschaft eintragen zu lassen, aber rechtlich kommt dies in vielen Punkten einer Ehe nicht gleich. Ausserdem gibt es in der Schweiz noch kein Gesetz, das LGBT-Menschen vor Diskriminierung schützt sowohl wird einem als Homosexueller das Recht auf Adoption nach wie vor verwehrt (Ausnahme bildet die Stiefkindadoption des eingetragenen Partners). In der Schweiz steht noch viel Aufklärungsarbeit an, denn im europäischen Vergleich befindet sich die Schweiz bei der Gleichstellung von LGBT-Menschen nur auf dem 22. Platz.

130 Jahre Villa Castagnola

An diesem Wochenende hatten wir auch das Vergnügen das Grand Hotel Villa Castagnola in Luganos Cassarate-Viertel kennenzulernen, welches an der Mündung des gleichnamigen Flusses in den Luganersee, sowie am Südfusse des Monte Brès liegt. Der Name des Hotels leitet sich von den vielen Kastanienbäumen der Umgebung ab. Das Grand Hotel Villa Castagnola blickt auf eine über 130-jährige Geschichte zurück. 1880 als Ferienresidenz einer noblen russischen Familie erbaut wurde die Villa 1885 vom Luzerner Familiengeschlecht Schnyder von Wartensee übernommen und zu einem Hotel umfunktioniert. Während drei Generationen (fast ein Jahrhundert lang) war das Hotel Villa Castagnola in festen Händen der Familie bis das Hotel 1982 in den Besitz der tessiner Familie Garzoni wechselte, die sogleich auch alle Angestellten des Hotels mitübernahm und den damals dreistöckigen Bau (heute fünfstöckig) renovierte und erweiterte. Das Flair früherer Zeiten ist noch im ganzen Haus zu spüren. Der herrschaftliche Glanz einer italienischen Villa widerspiegelt sich auch in der Inneneinrichtung des Hotels: orientalische Elemente, monumentale Wandteppiche und Brokatvorhänge sowie ein original erhaltener, üppiger Kamin. Heute gehören zum Grundstück eine grosszügige Parkanlage mit mehreren Tennisplätzen, Ferienresidenzen, die jährlich vermietet werden, sowie das ehemalige «Hotel du Midi» auf der anderen Strassenseite in welchem heute eine Kunstgalerie und das einzige Michelin-Restaurant Luganos, das «Ritorante Galleria Artè», das von Executive Chef Frank Oerthle geführt wird.

Gerne hätten wir uns mehr umgesehen und die Details des Interiors fotografisch festgehalten, da aber an jenem Tag eine persische Hochzeit mit all den Feierlichkeiten im Hotel stattfand, wollten wir uns doch (mit unserem Kamerageschütz) etwas bedeckt halten. Während der Hotelführung kriegten wir auch noch weitere Zimmerkategorien und Suiten zu sehen, sowie die neueste Ergänzung des Wellness Centers, den neuen „Infinity-Hydropool“ wären wir länger geblieben, hätten wir diesen doch auch gerne selbst ausprobiert. Im Inneren des Spas befinden sich mehrere Behandlungsräume sowie ein Indoorpool, der sich durchaus fürs Längenschwimmen eignet. Von hier aus hat man die Möglichkeit im Bademantel in den Garten zu gelangen, von wo man zwischen Palmen, Kastanienbäumen und Skulpturen renommierter Schweizer Künstler liegen und dem Zwitschern der Vögel lauschen und über das Leben sinnieren kann. Obwohl nur unweit vom Stadtzentrum (an einer vielbefahrenen Uferstrasse) geniesst man hier Ruhe und das milde subtropische Klima. Unser Highlight: nur wenige Schritte vom Hotel entfernt, befindet sich der hoteleigene Privatstrand – eifersüchtige Blicke von den Passagieren des gelegentlich durchfahrenden Kursschiffes inbegriffen.

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Prachtvolle Villa umgeben von einem subtropischen Garten (Foto: Zenz)

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Junior Suite mit Zugang zum privaten Balkon (Foto: Zenz)

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Blick vom 5. Stock auf den Hotelpark und den Monte San Salvatore (Foto: Zenz)

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Darf ich vorstellen unser Privatstrand (Foto: Zenz)

Hotel-Eckdaten

  • Seit 133 Jahren
  • Klassifizierung: 5 Sterne superior
  • Mitglied bei Small Luxury Hotels of the World
  • 74 Zimmer und 32 Suiten
  • 3 Restaurants: La Rucola für leichte Speisen im informellen Ambiente, das Gourmetrestaurant Le Relais mit 15 Punkten GaultMillau, sowie das Restaurant Arté al Lago mit einem Michelin Stern und 16 Punkten GaultMillau mit Chefkoch Frank Oerthle
  • Privates Seeufer mit einladender Terrasse
  • Wellness Center mit Gym, Sauna und Dampfbad, Indoor- und Hydropool
  • Standseilbahn für den Aufstieg auf den Monte Brè gleich zu Fuss erreichbar
  • Zur Hotelwebsite

Ausflug auf den „Schweizer Zuckerhut“

Da wir zuvor bereits den Monte Brè «bezwungen» hatten, wollte wir diesmal den Monte San Salvatore erkunden, der sich uns sowohl vom Balkon, als auch vom Privatstrand voller Stolz zeigte. Zu Fuss machten wir uns auf den Weg nach Lugano Paradiso, von wo ausjede halbe Stunde eine Standseilbahn mit einmal Umsteigen in der Mittelstation auf eine noch steilere (!) Seilbahn bis ganz nach oben führt. Die erste Aussichtsplattform ist bereits sehr vielversprechend, aber wir wollen weiter hoch hinauf! Am Gipfel befinden sich die überdimensionale Swisscom-Antenne, die vermutlich dem ganzen Tessin und darüber hinaus den Empfang ermöglicht, sowie eine kleine Kapelle, die dem heiligen Salvatore (daher auch der Name), gewidmet ist. Der Monte San Salvatore ist nach wie vor ein beliebter Pilgerort und gilt auch als Kraftort im Tessin.

Mittels eines kleinen Seiteneinganges erfolgt der Aufstieg auf die Dachplattform, den höchsten Aussichtspunkt, sozusagen das «Top of Lugano». Die 360-Grad-Aussicht haut uns doch glatt aus den Socken: die «verrenkten» Arme des Luganersees sowie die italienische Enklave mit dem modernen Bau Casino di Campione des Architekten Mario Botta. Bei Klarsicht kann man sogar bis nach Mailand sehen. Zum Einkehren hat es zudem auch noch ein sympathisches Restaurant mit Terrasse und lokalen Tessiner Spezialitäten. Uns überzeugten das Polenta mit Gorgonzola und die Käsespätzle mit Cherrytomaten und Speck. Da unsere Mägen mit dem vielen Käse zu kämpfen hatten, entschieden wir uns spontan auf den Abstieg mittels Standseilbahn mutig zu verzichten und stattdessen den gut signalisierten Naturpfad zu nehmen. An jenem heissen Sommertag kam uns der schattige Wanderweg sehr gelegen. Entlang des Weges begegneten uns erneute Aussichtspunkte mit bunten Bänken und Infotafeln zu den sichtbaren Gipfeln, sowie ein paar Relikte aus der Zeit des «Reduitplans» z.B. eine Mauer mit Schiessscharten. Obwohl wir ursprünglich nur bis zur Mittelstation laufen wollten, jedoch die richtige Abzweigung verpassten, wurde aus dem gemütlichen Spaziergang eine Zwei-Stündige-Wanderung. Unterwegs sahen wir noch einige scheinbar unbewohnte Villen und malerische Rebberge bevor wir bei der ersten Gelegenheit in den Bus zurück zum Hotel einstiegen.

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Kapelle auf dem Gipfel des San Salvatore (Foto: Zenz)

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Blick auf Lugano und den Monte Brè (Foto: Zenz)

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Top of Lugano (Foto: Zenz)

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Schattiger Naturpfad (Foto: Zenz)

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Rebberg am Fusse des San Salvatore (Foto: Zenz)

Preise Standseilbahn für Bergfahrt einfach / Berg- und Talfahrt

Erwachsene Fr. 23.- Fr. 30.-
Inhaber Halbtax, GA und SBB Gemeinde Tageskarte Fr. 11.50 Fr. 15.-
Inhaber Ticino Ticket Fr. 18.- Fr. 24.-

Noch schneller ins Tessin

Durch die Inbetriebnahme des neuen Gotthardbasistunnels rückt das sonnige Tessin noch näher an die Deutschschweiz. Nach knapp zwei Stunden von Zürich aus erreichen wir Lugano, das Kulturzentrum der italienischen Schweiz. Der neue Hingucker der Stadt? Das Kulturzentrum LAC (Lugano Arte è Cultura), das zur Zeit eine Picasso-Sonderausstellung zeigt. Der modernistische Bau ist ein Eyecatcher an prominenter Lage unmittelbar am Ufer des Luganersees.

Weitere Informationen zur Region findet man auf folgenden Seiten Lugano Region / Ticino Turismo und MySwitzerland.

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