Grün und nachhaltig unterwegs in Bern

Ein Wochenende in Bern ist wie Balsam für die Seele. Selbst für jemanden, der die Schweizer Hauptstadt schon zu kennen scheint, gibt es immer wieder neue Gründe die von UNESCO anerkannte Altstadt und die umgebenden hippen Quartiere zu besuchen. Gemäss einer internationalen Umfrage gehört Bern sogar zu den Top 10 der stressfreiesten Städte der Welt. Während eines Juli-Wochenendes erlebten wir hautnah den gemütlichen Lifestyle, die Berner Musse und verbrachten davon die meiste Zeit im Freien.  Hier sind unsere Highlights…

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Aareschwimmen

An unserem ersten Tag in Bern erleben wir Höchsttemperaturen von bis zu 33 Grad Celsius. In der Innenstadt spielen die Kinder bei den kleinen Wasserfontänen vor dem Bundesplatz und selbst am Bahnhof tummeln sich die Gruppen in Badeanzügen und Schlauchbooten. Heute gibt es nur eine Devise: Abkühlung! Das Marzili Flussbad an der Aareschlaufe, unterhalb des Bundeshauses im Mattequartier, gehört zu den populärsten  Flussbädern der Schweiz. Das kristallklare Wasser ist mit 19-21 Grad Celsius sehr erfrischend – besonders bei schwülen Hitzetagen. Wegen der relativ starken Strömungen ist das Aareschwimmen nur für geübte Schwimmer geeignet. Einmal drin kann man sich gemütlichst treiben lassen und die Aussicht auf grüne Ufer und das darüber thronende Bundeshaus und das Bellevue Palace geniessen. Etwas Vorsicht bedarf es bei passieren der Brücken, wo waghalsige Sprünge zu beobachten sind. Das Herunterspringen überlassen wir dann doch lieber den Mutigen. Für Familien gibt es ausserdem mehrere Schwimmbecken, weite Rasenflächen laden zum Sich-Sonnen und Picknicken ein, sowie gibt es für Kinder Spielplätze zum Austoben und weitere Volleyballfelder und Pingpingtische, welche für Abwechslung sorgen.

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Abkühlung dank Aareschwimmen (Foto: Zenz)

Eintritt Marzili kostenlos, schliessfach 5 Fr. Tagesgebühr (mit 20 Fr. Depot). Regelmässiger Plauschkurs „Urban Swimming“ für erste Erfahrungen im Flussschwimmen

Jugendherberge Bern

Da wir tagsüber hauptsächlich unterwegs waren, war für uns der Komfort der Unterkunft zweitrangig. Mit der Jugendherberge Bern fanden wir eine zentralgelegene, preiswerte Hotelalternative mit priviligierter Lage, nur wenige Schritte vom Marzili Flussbad entfernt. Hier verbrachten wir eine Nacht im modernen Neubau, das 30 Zwei- und Vierbettzimmer mit privatem Badezimmer für Gäste mit höherem Komfort bietet. Die Unterkunft kann sich durchaus sehen lassen! Lichtdurchlässige Glasfassaden und puristisches Design sind sehr ansprechend. Die Minergie-Bauart nach neuesten Standards ist sehr energieeffiezient und die Zimmer sind alle mit automatischen Sonnenstoren ausgestattet, die tagsüber für angenehm kühle Raumtemperaturen sorgen.  Vor allem der Aussenbereich mit den zahlreichen Sitzmöglichkeiten unter den Platanenbäumen waren bei Familien und anderen Budgetreisenden sehr beliebt. Im Gemeinschaftsraum des denkmalgeschützten Hauptbaus, der bis März diesen Jahres aufwändig renoviert wurde, verstärkten wir uns am nächsten Morgen mit einem ausgiebigen Frühstück, das jeweils bei der Übernachtung inbegriffen ist: Cerealien, Kaffeespezialitäten wie Latte Macchiatto und Schweizer Ruuchbrot mit verschiedenen Aufschnitten und Käsesorten.

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Moderne Erweiterung der Jugendherberge Bern (Foto: Zenz)

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Aussensitzplätze der Jugendherberge Bern (Foto: Zenz)

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Retrodesign  im Zweibettzimmer  (Foto: Zenz)

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Kühles Versteck vor der Mittagssonne (Foto: Zenz)

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Geschmeinschaftsraum mit Designklassikern, den Tulipchairs (Foto: Zenz)

Zweibettzimmer bei Doppelbelegung mit Privatbad in der Jugendherberge Bern mit Frühstück ab ca. 160 Fr.

Chillaxen in der Aarebar

Während des Sommers laden liebevoll gestaltete Pop-Ups in und rundum Bern zum lauschigen Verweilen und Cocktailschlürfen ein. Wir machten nach dem Badeplausch eine Apéro-Pause mit Rosé, Gin & Tonic und Simmentaler Plättli in der Aare-Bar, welche von drei waschechten Bernern (Alex, David und Lukas) liebevoll aus einem Schiffscontainer zusammengebaut wurde. Die kleine aber feine Menükarte basiert aus regionalen Spezialitäten. Bis zum 9. September findet man die einladende Aarebar mit seinen selbstgebauten Lounges aus Holzpaletten und schattigen Sitzplätzen zwischen Marzili und Eichholz an der Sandrainstrasse 17.

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Aare-Bar: Pop-Up  im Freien (Foto: Zenz)

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Aperitivo mit Simmentaler Plättli (Foto: Zenz)

Stille Disco im Kocherpark und Schlummi im PROGR

Weiter geht’s in den Kocherpark, wo der letzte Tag des Parkonia Festivals stattfand – ein kleines Openair mit Performances von Strassenkünstlern, verschiedenen Konzerten und einer „stillen Disco“, wobei rund 200 Köpfe ausgestattet mit Funkkopfhörern zu den Beats des DJs abtanzten. Leider konnten wir keine Kopfhörer mehr ergattern, finden aber ein gemütliches Plätzchen auf der Wieso wo wir uns in aller Ruhe unterhalten konnten und dem schaulustigen Treiben zuschauen konnten. Nachdem das Festival am Kocherpark sich dem Ende neigte, bot den letzten verbliebenen Besuchern ein junger Feuertänzer eine Einlage der besonderen Art passend zum blutigen Mondfinsternis. Zu allerletzt schauten wir noch für einen Gutenachtschlummerdrink im PROGR vorbei. Das Kulturlokal PROGR im Stadtzentrum bietet neben den Bar- und Gastrobetrieben 70 Räume für rund 150 Kunstschaffende an. Neben Galerien, Showrooms für Videokunst und Begegnungszonen für Kulturschaffende, finden im Progr auch zahlreiche Konzerte statt.

Hier geht’s zur Agenda des PROGR

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Silent Disco im Kocherpark (Foto: Zenz)

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Feuertänzer während des Parkonia Festivals (Foto: Zenz)

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Hipper Treffpunkt – das Kulturlokal PROGR (Foto: Zenz)

Überdachte Shoppingtour unter Berns Lauben

Ursprünglich wollten wir am nächsten Morgen auf den Berner Hausberg, den Gurten hoch (oder wie die Berner ihn liebevoll nennen, „Güsche“ ). Wegen des unvorbereiteten Regens entschlossen wir uns kurzfristig den Berner Märit zu besuchen, der sich unter den bedachten Arkaden in der Altstadt, der Lauben, befindet. Wir hatten eigentlich keine Pläne etwas zu kaufen, aber allein das „Rumschneuggen“ und der Kontakt zu den lokalen Landwirten und die wirkungsvoll inszenierte Präsentation der Gemüse- und Beerensorten und bunten Blumen waren ein Besuch Untallemal wert!

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Trocken bleiben unter der 6km langen Lauben (Foto: Zenz)

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Berner Spezialitätenmarkt (Foto: Zenz)

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Unter den Lauben bieten die Landwirte ihr Gemüse an (Foto: Zenz)

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Frische Blumenanschnitte (Foto: Zenz)

Swiss-made und Zero-Waste-Läden

Bern Innenstadt ist ein Einkaufsparadies, das verschiedenste Läden von bekannten Detailhändlern bis zu einzigartigen Boutiquen und Secondhandläden und natürlich auch Kafis und Restaurants vereint. Auffallend war für uns die Vielzahl an einzigartigen Concept-Stores, die schweizweit seinesgleichen suchen. Das Label SWISS-DESIGN, das Schweizer Produktedesign auszeichnet,f indet man in den Läden Berns öfters vor. Im Bazaar 58 an der Gerechtigkeitsgasse 58 fielen uns beispielsweise die verschiedenen handgefertigten Schmuckstücke, Handtaschen und Rucksäcke auf, die zum Teil aus Sarongstöffen umgenäht wurden. Überraschend war für uns auch die grosse Auswahl an verpackungsfreien Lebensmitteln und Pflegeartikeln im Zero-Waste-Laden Palette an der Münstergasse 18. Nach dem Stöbern sind wir doch gleich dazu motiviert, weniger Einwegplastik im Alltag zu gebrauchen und beim nächsten Restaurantbesuch doch lieber den eigenen Bambustrinkhalm mitzunehmen.

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Berns Gässlein – perfekt zum Flanieren (Foto: Zenz)

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Auch einzigartige Secondhändladen  tummeln sich in Berns Innenstadt (Foto: Zenz)

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Einkaufen mit eigenen Behältern im Zero-Wasteladen ‚Palette‘ (Foto: Zenz)

Unser Fazit

Uns fiel von Beginn an die hohe Lebensqualität und die gute Laune der Berner auf. Bern gehört dank seiner vielen Parks, der fussgängerfreundlichen Innenstadt und der sauberen Aare zu den grünsten und nachhaltigsten Städten der Schweiz. Auch beim Thema sozialem Engagement der zahlreichen Betriebe (jeder Grössenordnung) und Umwelt- und Klimaschutz hat Bern eine Vorreiterrolle. Ob Kurz- oder Langaufenthalt und bei jeder Witterung lohnt sich ein Besuch der Stadt Bern. Neue Flecken warten nur darauf entdeckt zu werden!

 

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