Mit dem Camper unterwegs durch die neuseeländische Nordinsel

Zwischen 1500 und 2000 km südöstlich von Australien, auf der australischen, sowie pazifischen Platte gelegen, könnte Neuseeland kaum noch weiter entfernt von der Schweiz gelegen sein. Allein schon der Hinflug dauert mindestens 24 Stunden. Die grüne, hügelige Vegetation, die vielen Gewässer und die neuseeländischen Alpen werden oft mit der Landschaft der Schweiz verglichen. Doch weder geografisch noch kulturell lässt sich Neuseeland mit anderen Destinationen auf der Welt vergleichen, insbesondere wegen der Vermischung der europäischen und polynesischen Kultur, die Hand-in-Hand fortbesteht, wie auch das Wappen versinnbildlicht.

(Text: Paulo Zenz / Fotos: Paulo Zenz & Michael Künzli)

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Es war mein zweiter Besuch auf Neuseeland. Beim ersten Mal im Jahr 2015 war nur ein kurzer Stopover während 4 Tagen in Auckland eingeplant. Diesmal nahm ich mir knapp 2 Wochen Zeit um zumindest die Nordinsel zu erkunden. Gemeinsam mit zwei Freunden mieteten wir einen quietschgrünen Camper der Marke Jucy Car, der für unsere Bedürfnisse das beste Preis-/Leistungsangebot mitsichbrachte: zwei 140cm breite Doppelbetten (Doppelstöckig), sowie eine Einbauküche, Klapptische und Stühle….you name it! Während unseren Zwischenstopps nächtigten wir auf offiziellen Campingplätzen, in welchen wir den «Komfort» von sauberen Sanitäranlagen sowie warmen Duschen genossen. Gottseidank! Das relativ kühle Herbstklima tagsüber zwischen 14 und 18 Grad gepaart mit den feinen Regenschauer über Nacht, waren dann doch ziemlich kühl im Camper. Im Fachjargon würde unser Trip womöglich als «Glamping» bezeichnet werden.

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Route unseres Roadtrips auf der Nordinsel (Grafik: Zenz)

Die Halbinsel Coromandel

Unser über 800 km Roadtrip startete am Flughafen Auckland und führte direkt quer über das Coromandel Gebirge, dem tannenbesiedelten Naturreservoir bis zum Küstenort Whangamata. Im Sommer ist die Ostküste ein beliebter Treffpunkt für Surfer, was auch die vielen Surfshops und Cafés in der Hauptmeile erklärt. Im Herbst wirkt Whangamata dann doch etwas ausgestorben. Immerhin hatten wir den feinen von Schilf besiedelten Sandstrand für uns allein, der an die Nordsee erinner. Nur wenige Schritte zu Fuss entfernt, befindet sich das mediterran angehauchte Motel «La Dolce Vita», das von einer Bekannten von uns geführt wird.Whangamata_Dolce_Vita_Motel_Metropolischt

Unser nächster Stopp «Hot Water Beach» war rund 20 Minuten Autofahrt entfernt und führte weiter nördlich der Ostküste der Coromandel-Halbinsel. Um halb zwei nachmittags, zeitlich abgestimmt mit der Ebbe, ging es dann ab zum Hot Water Beach, der als Attraktion schon längst kein Geheimtipp mehr ist. Vor Ort kann man für 10 NZ Dollar eine Schaufel mieten, die man benötigt, um sich selbst möglichst nah an der Heisswasserquelle einen Graben zu buddeln. Aber Vorsicht, das Wasser kann dann schon an manchen Stellen brennend heiss werden! Wir hatten das Glück und durften das ausgegrabene Loch eines anderen Pärchens übernehmen, das perfekt gelegen, uns mit angenehm warmen Quellwasser verwöhnte. Das kühle Bier war dann auch schon zur Hand 😉

Hot_Water_Beach_MetropolischtHot_Water_Beach_Metropolischt_2Hot_Water_Beach_Metropolischt_3Hot_Water_Beach_Metropolischt_4Unser nördlichster Halt auf der Coromandel Halbsinsel war die Attraktion Cathedral Cove, am Mercury Bay gelegen nahe der Ortschaft Hahei. Nachdem wir den Camper parkiert hatten, führte ein Besucherbus zum Beginn des kurzen Trails. Hier führt ein makellos präparierter Wanderweg zu verschiedenen Aussichtsorten, einem WW2-Denkmal, sowie unterschiedlichen Abzweigungen zu verschiedenen Buchten. Die eigentliche «Kathedrale» ist die Höhlenverbindung von Mare Leg Cove zum Cathedral Cove, die der Form eines Kirchenschiffes sehr nahe kommt. Teilweise ragen die Klippen aus Kalksandstein senkrecht hervor. Besonders prominent ragt der «Te Hoho Rock» aus dem Ozean, der uns an die Faraglioni Felsen, dem Wahrzeichen Capris, erinnert.Cathedral_Cove_Metropolischt_6Cathedral_Cove_Metropolischt_5Silverfern_MetropolischtCathedral_Cove_Metropolischt_2Cathedral_Cove_Metropolischt_3Cathedral_Cove_Metropolischt_4Cathedral_Cove_Metropolischt

Schwefel und Schlamm in Rotorua

Nach bevor es zu fest abdunkelte fuhren wir gen Süden nach Rotorua, welches für seine geothermischen/vulkanischen Aktivitäten bekannt ist und gleichzeitig auch ein beliebter Kurort ist. Neben dem prämierten Polynesian SPA, gibt es hier auch das «Blue Baths». Die mediterrane Badeanlage existiert seit 1933 und war das erste öffentliche Bad der Welt, das eine Vermischung der Geschlechter zuliess. Zu grosser Enttäuschung ist das im elisabethanischem Stil erbaute Rotorua Museum, das eine grosse Sammlung an Maori Geschichte beherbergt bis auf weiteres wegen «Erdbeben und Einsturzgefahr» geschlossen.

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Im Naturpark Wai-O-Tapu Thermal Wonderland (Eintritt: 32 NZD) lässt sich die geothermische Aktivität am besten beobachten. Hier liegt der Schwefel nicht in der Luft (zum Teil sehr intensiver Geruch), sondern ist auch an der Gelbverfärbung der Mineralgesteine, der Schlammvulkane und am Faulen der Bäume zu erkennen. Die vielen blubbernden Schlammlöcher tragen Namen wie «Devil Ink Pots» und sind zwischen 70 und 100 Grad heiss. Die gesamte Geothermalzone umfasst 40 ha, darunter 25 Sehenswürdigkeiten und zählt als «Taupo Volcanic Zone» zu den aktivsten Zonen vulkanischen Ursprungs der Welt.

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Kerosene Creek

Ebenfalls in Rotorua gelegen ist der Kerosene Creek, dies ist selbst unter Neuseeländern noch ein Geheimtipp und eines unserer Highlights während des Roadtrips. Ein kurzer Waldweg führt zu einem dampfenden Badefluss, der äusserst wohltuend ist und zu einem kleinen Wasserfall. Hier sollte man nur maximal 20 Minuten baden und idealerweise den Kopf nicht unter Wasser halten.

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Tropfsteinhöhle und Glühwürmchen

Ebenfalls auf dem Reiseprogramm stand ein Besuch der Waitomo Caves an. Wir waren in der Ruakuri Höhle (Höhle der Hunde), eine familienfreundliche Tropfsteinhöhle, die besonders wegen der vielen funkelnden Glühlarven ein beliebtes Reiseziel ist. Die gut zementierte Höhle ist auch für Rollstuhlgänger geeignet, jedoch mit 64 NZD für 1,5h Tour ein kostspieliges Vergnügen. Meiner Meinung nach kann man die Waitomo Caves mit gutem Gewissen überspringen!

Filmset Hobbiton

Als letzter Halt diente die Alexander Farm nahe der Ortschaft Matamata, auch bekannt als Hobbiton Movie Set auf dem Programm. Während der zweistündigen geführten Tour durch das Auenland, sieht man das originale Filmset von Der Herr der Ringe, sowie Der Hobbit und erfährt mehr über die Entstehungsgeschichte der einzigartigen Kulisse und der aufwendigen und detailgetreuen Inszenierung. Die 44 Hobbitlöcher, die in die Hügel eingebaut sind, die laufende Wassermühle und der grosse «Partybaum» zählen eindeutig zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Tour. Im Eintrittspreis von 84 NZD ist zu guter Letzt auch ein frischgezapftes Bier im gemütlichen «Green Dragon» mitenthalten. Ein Muss für jeden Fan!

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Fazit:

Neuseelands Landschaften und die Vermischung der europäischen mit der polynesischen Kultur sind äusserst einzigartig und kaum mit einem anderen Kulturkreis vergleichbar. Am besten ist man mit dem PKW oder Camper unterwegs, da der öffentliche Weg ausserhalb Aucklands nur wenig ausgebaut ist. Aber aufgepasst, hier gilt wie in England Linksverkehr!

PS: Im zweiten Teil meiner Neuseelandreihe werde ich meine Reisetipps rund um Bars, Restaurants und Sehenswürdigkeiten in Auckland mit euch teilen. Es bleibt also weiterhin busy auf dem Blog 😉

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