Rückblick: Asiens grösste Pride

Letzten Herbst hatte ich nach einem Stellenwechsel entschieden meinen Koffer für eine längere Weltreise zu packen. Daraus wurden sieben Monate, wobei ich die meiste Zeit davon auf den Philippinen verbrachte mit Kurzaufenthalten in den Metropolen Singapur, Hong Kong, New York und Taipei.

Den Entscheid nach Taiwan zu fliegen war um ehrlich zu sein ein spontaner Entscheid, der sich rückblickend zu einem der aufregendsten und besten Entscheide entpuppte. Dadurch dass ich einen günstigen Flug von Cebu (Philippinen) nach Taipei für umgerechnet 90 CHF im Netz gefunden habe, fiel mir die Entscheidung nicht schwer.

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Wanhua District (Foto: Zenz)

Taiwan machts vor

Im 2017 hatte sich Taiwan der gleichgeschlechtlichen Ehe geöffnet und ist bis anhin das einzige Land in Asien und somit Vorreiter, wenn es um die Gleichstellung der LGBT-Rechte (Lesben, Schwule, Bi-, und Transsexuellen) in Asien geht. Für mich war es ganz klar ein wichtiges Anliegen bei der Pride Parade dabei zu sein und diese Bewegung als Tourist zu unterstützen. Ausserdem wollte ich auch herausfinden, inwiefern sich eine Pride-Demonstration in Asien von der in Zürich oder anderen europäischen Grossstädten unterscheidet. Und die Unterschiede waren frappant!

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Mit Eigenkration ab an den Pride Umzug (Foto: Zenz)

Taipei Pride 2017

Am Tag der Parade war ich erst einmal von den Menschenmengen überwältigt. Die Hauptstrassen waren für den Umzug für den Autoverkehr gesperrt und wo man nur hinblickte sah man kostümierte und auch schillernde Teilnehmer, die auf ihre Art und Weise auf gewisse Themen aufmerksam machen wollten. Einige Besucher hatten zwar die Pride eher mit Halloween oder einer Cosplay-Veranstaltung verwechselt, jedoch ging es bei diesem Marsch um eine breite Akzeptanz und die Wertschätzung der Diversität: Man sah eine breite Teilnahme jeden Alters, Geschlechts oder ethnischen Zugehörigkeit. Viele Touristen (wie ich auch) waren aus dem Ausland angereist um hier in Taipei ein Zeichen für das sonst, eher konservative und gläubige Asien zu setzen. Ähnlich wie in Zürich gab es auch diverse Umzugswägen mit dröhnender Partymusik und der ganze Umzug ging ohne Widerstand, ganz im Gegenteil, sehr friedlich vonstatten.

Aber seht ihr selbst – nackte Haut inbegriffen, aber das ist an jeder Pride-Veranstaltung so :-P

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 Wanhua District

Die nächste Herausforderung war die Kommunikation mit Taxifahrern. Einige verstanden relativ gut Englisch, bei anderen mussten wir kreativ werden! Empfehlenswert war es die eigene Wohnadresse auf Chinesisch dem Taxifahrer vorzuweisen (dieses erhielt ich zuvor als Foto von meinem Airbnb-Host). Der Tipp war echt hilfreich. Im Eiltempo fuhr mein Taxifahrer über die moderne Autobahn ins Stadtzentrum von Taipei. Da ich eine Gruppe von Freunden begleitete war für uns ein Airbnb die optimalste Unterkunft. Das zentralgelegene Quartier Wanhua ist für seinen Night Market mit seinen kuriosen Snacks wie Ananaskuchen in sehr expliziten Formen und für seine «Street-Food-Eateries» bekannt. Taipei ist ein wahres Foodmekka, beinahe zu jeder Tageszeit gibt es an allen Strassenecken etwas zu verkosten. Man darf sich zum Teil von der Einrichtung der Restaurants respektive Eateries nicht täuschen lassen: Hier gilt die Regel, je einfacher die Einrichtung desto authentischer die Küche. Am Night Market gibts zudem lauter kitschige Souvenirs von Schmuck, Elektronik, bis zu Imitationen von namhaften Designertextilien. Beinahe alles war vor Ort zu finden. Von der Metrostation Ximen ist man zudem in der ganzen Stadt gut vernetzt. Hier muss man Taipei echt loben, die ÖV funktioniert hier nahtlos!

Sehenswürdigkeiten

Um mehr von der Stadt zusehen unternahm ich einen Halbtagesausflug auf den erhöhten Aussichtspunkt «Elephant Mountain». Innert 20 Minuten Treppensteigen erreicht man den Gipfel, wo einem der erhabene Blick auf die Skyline und den weltberühmten Taipei 101 Tower garantiert den Atem verschlagen wird. Beim Aufstieg bemerkte ich schnell Taiwaner sind ein aktives Volk! Gruppen praktizierten Chi-Gong in den Pärks, sowie beobachtete ich einen Mann der Rückwärts auf seinen Händen in Spiderman-Manier hochkroch. Ausserdem gab es auch in der Nähe der Aussichtsplattform ein Outdoorgym, wo sich jung und alt fit hielten.

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Ausblick auf den weltbekannten Taipei 101 Tower (Foto: Zenz)

Auf Empfehlung besuchte ich auch das National Palace Museum, das eine grosse Sammlung von Artefakten und Porzellan, sowie Elfenbeinskulpturen aus der Ming-Dynastie beherrbergt. Leider hatte ich an einem Sonntagnachmittag lauter Besuchergruppen, die mir die Sicht versperrten und somit mein Museumserlebnis etwas einschränkten. Nichts desto trotz, ist der Bau von innen wie aussen sehr eindrücklich und entlang der Busfahrt dorthin sieht man auch die Wohnsiedlungen ausserhalb des Businessviertels.

National Palace Museum (Foto: Zenz)

National Palace Museum (Foto: Zenz)

Unser Fazit

Taipei hat mich von seiner guten Infrastruktur und der Herzlichkeit der Leute, mit denen ich Kontakt hatte, echt positiv überrascht. Das milde Klima eignet sich bestens für gemütliche Parkbesuche oder für Outdooraktivitäten wie Wandern oder Velofahren etc. Leider bekam ich als Beobachter und wegen der Kürze des Aufenthalts nur wenig von der traditionellen Seite und den Tempeln Taiwans zusehen. Bei meinem nächsten Besuch würde ich mich vermehrt auch aus der Stadt herauswagen und mir auch sicher einen Guide/Host organiseren, der mir mehr über die lokale Kultur verraten könnte.

Nützliche Infos

  • Einreise: Als Besitzer eines EU-Passes musste ich mich im Vorfeld um kein Visum bemühen. Bei der Einreise gibt es lediglich einen kleinen «Visa on Arrival» Zettel auszufüllen. Benötigt wird unter anderem die exakte Wohnadresse (hier reichte die Bezeichnung «Airbnb» nicht aus!) und der Rückflug respektive Weiterflug zur Ausreise ist auch Vorzeigepflicht. Ein Blick auf die offizielle Website Taiwans gibt Auskunft darüber, welche Länder zur Einreise einen Visumantrag benötigen.
  • Flüge: Nach Taipei gibt es von Zürich keine non-stop Direktflüge. Die schnellste Verbindung von Zürich Flughafen mit SWISS und Cathay Pacific mit Zwischenstopp in Hong Kong (15,5 h). Alternativverbindungen wären etwa mit Turkish Airlines via Istanbul (16,5 h) oder mit Emirates via Dubai (19,5h).
  • Weitere Reisehinweise findet man auch auf der Website des Taiwan Tourismusbüros

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